Technik über Berlin

Technik über Berlin

Die technische Abteilung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin suchte jemanden, der sich wirklich damit auskennt, nachdem eine millionenschwere Absorptionskältemaschine kurz nach Inbetriebnahme abgebrannt war. En.plus nahm die Herausforderung an und erhielt den Auftrag für das heikle Projekt.

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Leicht war die Aufgabe nicht: „Für eine Baustelle mitten in Berlin wird Ihnen so schnell keine Straßensperrung genehmigt“, beginnt En.plus-Gesamtprojektleiter Mike Uhlig die Umstände zu erläutern, die es während der Arbeiten am „Pressehaus Alexanderplatz“ immer wieder zu lösen galt. Und das nicht nur während der spektakulären Beförderung der beiden je elf Tonnen schweren Kältemaschinen auf das Dach des 80 Meter hohen Gebäudes durch einen 500-Tonnen-Kran. „Auch die tägliche Materialanlieferung für alle Gewerke war eine Herausforderung. Aber das gehört zu einer Baustelle mitten in der Stadt, an einem großen öffentlichen Platz, einfach dazu“, so Mike Uhlig. Auch nach erfolgreichem Abschluss des Projektes im Juli 2019 ist der Druck noch spürbar, den es bis zur Abnahme für alle Beteiligten auszuhalten galt. Obwohl sich die Fertigstellung des Rohbaus aus diversen Gründen um mehr als drei Monate verzögert hatte, stand das Datum der Fertigstellung nicht zur Diskussion. Die Verträge des Bauherrn mit den neuen Hauptmietern waren gemacht, die entsprechenden Kündigungen ausgesprochen. Und so musste man auf der Baustelle organisatorisch auf weiten Strecken umplanen. „Das war schon nicht witzig“ fasst Gesamtbauleiter Andreas Schöneck die Lage zusammen. Von den insgesamt sechs Aufzügen des Gebäudes standen zeitweise nur zwei zur Verfügung. „Wir konnten nicht mal übers Treppenhaus ausweichen, weil das abgerissen war“, schildert er die anspruchsvollen Bedingungen vor Ort. Später galt es dann zusätzlich auf die in den Etagen zwei bis neun bereits eingezogenen Mieter Rücksicht zu nehmen. „Da lagen die Nerven manchmal blank.“
Erfreut und erleichtert: Gesamtbauleiter Andreas Schöneck (l.) und Gesamtprojektleiter Mike Uhlig auf dem Dach des Hauses, auf dem die „Rotunde“ über die Stadt ragt.
Zehn Abgänge leiten die übertragene Wärme aus der Heißwasser-Fernwärmeheizung in die jeweiligen Etagen.
»Für die Bewältigung des herausfordernden Gesamt­projekts hatten wir zeitweilig 35 bis 40 Mitarbeiter im Einsatz.«
Mike Uhlig, Gesamtprojektleiter
Umso beeindruckender ist es, die installierte Haustechnik nun an Ort und Stelle in Funktion zu sehen. Die beiden gewaltigen Kältemaschinen à 970 kW, die auf dem Dach des Hochhauses mit Blick zum Fernsehturm installiert wurden, sind mit einer nachgeschalteten Kältezentrale verbunden, die auf sehr engem Raum im Treppenhausturm der obersten Etage untergebracht ist. Eine der beiden Kältemaschinen liefert den Kältebedarf für die Gebäudekonvektoren, die andere versorgt die RLT-Anlagen. Auf Wunsch eines Mieters wurden für die Kühlung von Servern zusätzlich vier weitere Kältemaschinen à 86 kW auf dem Dach positioniert. Im Untergeschoss wiederum erstrahlt die Heizungsanlage, eine Heißwasser-Fernwärmelösung, in vollem Glanz.
Zwei gigantische Kältemaschinen haben ihren Platz auf dem Dach des Hochhauses gefunden.
Die über die Kältemaschinen erzeugte Kaltluft wird ins Gebäude geleitet.
Gespeist wird die 1.600 kW starke Anlage über eine Fernwärmestation mit einem Plattenwärmetauscher. Ein angeschlossener Heizungsverteiler erreicht die einzelnen Nutzungsbereiche über zehn Abgänge. Die Versorgung der Büroebenen mit erwärmter oder gekühlter Luft gewährleisten 988 Gebläsekonvektoren, die an den Außenwänden verbaut wurden, sowie 69 RLT-Anlagen. Für ein angenehmes Raumklima wurden pro Bürofläche vier Lüftungsanlagen montiert. Weitere fünf Lüftungsanlagen im Untergeschoss versorgen die Gewerbebereiche im Erdgeschoss und in der ersten Etage. Die Warmluft für sämtliche Nassbereiche und Treppenhäuser wird über Röhrenkonvektoren verteilt. Ein unerwarteter Mehraufwand entstand durch die Nutzungsänderung, die der Bauherr kurzfristig während der Bauphase für die Räume im Erdgeschoss vornahm. Die RDA-Anlage und eine MRA-Anlage im Untergeschoss mussten hierfür komplett neu ausgelegt werden. „Für die Bewältigung des Gesamtprojekts, das durchaus als Herausforderung zu betrachten war, hatten wir zeitweilig 35 bis 40 Mitarbeiter im Einsatz“, erklärt Mike Uhlig. Für die Koordinierung der Arbeiten wurden für jedes Gewerk ein Obermonteur, ein Bauleiter sowie verschiedene Projektleiter eingesetzt. „Am Ende haben alle einen tollen Job gemacht. Wir sind stolz darauf, ein solch bedeutendes Gebäude technisch mit in die Zukunft geführt zu haben“, bekräftigt Andreas Schöneck, der für das Gelingen des Projekts seinen ganzen Erfahrungsschatz einbrachte.
Engste Platzverhältnisse im Technikraum machten die Unterbringung der Anlage zu einer Herausforderung.
»Wir sind stolz darauf, ein solch bedeutendes Gebäude technisch mit in die Zukunft geführt zu haben.«
Andreas Schöneck, Gesamtbauleiter
11 Tonnen Technik schweben durch die Luft

Technische Daten

  • 2 Kältemaschinen à 970 kW, Gewicht 11 Tonnen
  • Kälteversorgung der 69 RLT-Anlagen
  • 4 Kältemaschinen à 85 kW für Serverkühlung
  • Heißwasser-Fernwärmeheizung mit Plattenwärmetauscher
  • Gesamtleistung Heizung 1.600 kW
  • 5 Lüftungsanlagen im EG und 1. OG
  • Ausführung Januar 2018 bis Juli 2019
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