Dem Wachstum Rechnung tragen

Dem Wachstum Rechnung tragen

Im Interview spricht Oliver Rennig, seit August 2019 CEO der Elevion Gruppe, über die künftigen Anforderungen des Marktes und die Antworten, die man in der Führung der Gruppe darauf gefunden hat.

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Herr Rennig, am 1. August 2019 haben Sie die Nachfolge von Lars Eberlein als CEO der Elevion Gruppe angetreten. Kam dieser Schritt überraschend für Sie?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich war ja beim Eintritt in die ­Elevion Gruppe schon Geschäftsleitungsmitglied, nur in einer anderen Funktion. Anfänglich als CFO, für den finanziellen Bereich verantwortlich, später dann als COO für das operative Geschäft. Und immer war die Zusammenarbeit mit Lars Eberlein, meinem engen Vertrauten, eine völlig fließende. Wir haben alle strategisch-operativen Entscheidungen gemeinsam getroffen und auch diesen Wechsel gemeinsam geplant.

Die Übergabe dieser Position durch Herrn Eberlein ist eine Geste großen Vertrauens. Werden Sie die bisherige enge Zusammenarbeit weiter fortführen?

Die neue Struktur, wie sie jetzt besteht, war meine absolute Wunschlösung. Lars Eberlein scheidet ja nicht aus, sondern wechselt in die Geschäftsführung unserer Hauptgesellschafterin und ist aktives Mitglied im Beirat. Ich habe also nun auf der Gesellschafterseite einen Counterpart, der nicht nur mich, sondern auch unser Geschäft und unsere Kultur bestens kennt: einen Fels in der Brandung für unsere Gruppe. Ich werde wichtige operative Entscheidungen selbstverständlich weiterhin mit Lars Eberlein teilen und abstimmen.

Was zeichnet Ihre langjährige Zusammenarbeit aus?

Lars Eberlein ist ein Vollblutunternehmer mit einem exzellenten Gespür für geschäftliche Entscheidungen – und trotz seines großen Erfolges noch immer geerdet und bodenständig. In der ganzen Zeit unserer Zusammenarbeit, die nun bereits sechs Jahre besteht, haben wir von Anfang an alle Entscheidungen immer sachlich, im Sinne des Unternehmens und im Kollektiv getroffen. Aus dieser vertrauensvollen geschäftlichen Beziehung ist eine Freundschaft erwachsen.

Mit Roland Fischer und Michael Übel als Geschäfts­führern sowie Andreas Lässig als CFO haben Sie für weitere Unterstützung in der Führungsebene gesorgt …

Richtig. In den vergangenen Jahren sind wir sehr dynamisch gewachsen. Als ich in die Elevion eingetreten bin, hatten wir 125 Mio. Gesamtleistung und knapp 1.000 Mitarbeiter. Mittlerweile ist das Unternehmen auf rund 500 Mio. Umsatz und 3.000 Mitarbeiter gewachsen. Wir haben auf dem Weg dorthin über 40 Unternehmen an- und eingegliedert. Ich denke, diesem Wachstum muss man Rechnung tragen. In der Organisationsstruktur und in der Führungsstruktur. Hinzu kommt der Anspruch unserer börsennotierten Gesellschafterin an Reportings, die wir mit der entsprechenden Professionalität ausarbeiten müssen. Um die Erfüllung dieser Anforderungen kümmert sich insbesondere Andreas Lässig als CFO mit Michael Übel als verantwortlichem Geschäftsführer auf kaufmännischer Seite.

Welchen Hintergrund hatte die personelle Auswahl?

Bei der Entscheidung, die Führung auf mehrere Schultern zu verteilen, war es uns extrem wichtig, unsere mittelständische Kultur zu bewahren und Führungskräfte aus den eigenen Reihen zu fördern. Die personelle Auswahl hat insbesondere mit Vertrauen zu tun. Die beiden Kollegen, die nun in der Geschäftsführung tätig sind, Roland Fischer von der ­Rudolf Fritz GmbH und Michael Übel von der ETS GmbH, kenne ich ebenfalls seit vielen Jahren und ich weiß, dass ich mich auf ihre Kompetenzen nicht nur menschlich, sondern auch im kaufmännischen und technologischen Bereich zu hundert Prozent verlassen kann.

Wie bereitet sich die Elevion Gruppe auf die künftigen Anforderungen des Marktes vor?

Seit mehreren Jahren fahren wir nahezu auf Vollauslastung. Die Konjunktur der Baubranche boomt und das wird sich, auch wenn derzeit in der Presse von einer Rezession die Rede ist, aus unserer Sicht sicher noch weiter so fortsetzen. Dennoch müssen wir uns auf die Themen einstellen, die in naher Zukunft von immer größerer Bedeutung sein werden: insbesondere die Digitalisierung, die Einfluss auf sämtliche Prozesse unseres Kerngeschäfts hat. Hierfür gilt es Kompetenzen aufzubauen, qualifizierte Mitarbeiter zu fördern und sich auf die wachsende Bedeutung der Automatisierungstechnik mit der Zusammenführung von Daten einzustellen. Der durch die Tech-Konzerne geprägte Satz „wer über die meisten Daten verfügt, hat die Macht“, wird bald auch für Gebäudetechnik gelten.

»Emotional-kulturell sind wir eindeutig Marktführer.«

Wie könnte so ein Szenario für das Gebäude der Zukunft aussehen?

Bereits heute werden Bauteile mit IP-Adressen versehen, die somit kommunikationsfähig sind. Funktion und Standort lassen sich folglich exakt ermitteln. Auch das Nutzer­verhalten innerhalb eines Gebäudes lässt sich mittels dieser smarten Systeme abbilden. Im nächsten Schritt könnte man mit Künstlicher Intelligenz Algorithmen programmieren, die den Lebenszyklus eines Gebäudes unter Nutzungsbedingungen simulieren. Das hat natürlich eine Auswirkung auf die Ausstattung der Gebäudetechnik, die für den Nutzer in den Bereichen der Steuerung und Auswertung elementar wichtig ist. Er kann seine Produktions- und Betriebsprozesse maßgeblich optimieren, weil er über relevante Daten verfügt und weiß, welche Maschinen wann und wie effizient genutzt werden. Gleiches gilt für Bürokomplexe: Es gibt quasi einen On- und Offline-Modus für Gebäude, die erkennen, wer wo wann gerade arbeitet, sodass die notwendige Technik entsprechend gesteuert werden kann. Mittels hocheffizienter Energietechnik und intelligenter Steuerung leisten diese Systeme einen maßgeblichen Beitrag zur ressourcenschonenden und emissionenarmen Versorgung mit Primär­energie.

Wie sieht die Vision für die Unternehmen der Elevion Gruppe vor diesem Hintergrund aus?

Der Prozess des Bauens wird sich in den nächsten Jahren durch die digitalisierten Prozesse stark verändern. Vereinfacht gesagt wird ein Gebäude ähnlich wie ein Legobausatz mit allen erforderlichen Teilen von der Ausführung der Bauleistung in einem 3D-Modell geplant und simuliert sowie mit der entsprechenden kollisionsfreien Planung ausgeliefert. Das Zusammenbauen dieser konfigurierten Elemente steigert in großem Rahmen die Produktivität im Bereich der Montage, Logistik und der Arbeitsvorbereitung. Wenn wir in der Branche weiterhin eine führende Rolle einnehmen wollen, müssen wir uns Kompetenzen in der Beratung, Konzeption und Planung aneignen. Deshalb richten wir künftig gezielt unsere Akquisitionen auf Engineering-Gesellschaften. Um auch den Anforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden, haben wir in diesem Jahr mit der HERMOS Firmengruppe Unternehmen gewonnen, deren Kerngeschäfte die Automatisierungs- und Steuerungstechnik sowie der Schaltanlagenbau sind. Denn auch die Nutzungsregelung der TGA wird künftig bereits während der Projektierungs- und ­Planungsphase vorgenommen werden.

Wie wird sich die Elevion Gruppe mit ihren Unternehmen in Zukunft positionieren?

Unser Ziel ist es, zum voll integrierten Energiedienstleister für technische und hocheffiziente energetische Systeme zu werden. In dieser Rolle können wir unseren Kunden aus Industrie, Gewerbe und Öffentlicher Hand bereits im Vorfeld eines Neubaus beraten und sind in der Lage, das gesamte Projekt mittels BIM zu planen, auszuführen und die Liegenschaften anschließend zu betreiben. Und: Wir möchten das Ganze als Contracting-Partner finanzieren und ebenfalls dezentraler Energiedienstleister werden. Auf dem Weg dorthin gibt es natürlich noch einiges zu tun und insbesondere Planungskompetenzen in unser Leistungsangebot zu integrieren. Hierfür möchten wir im Lauf des nächsten Jahres folgende Divisionen entwickeln und aufzubauen: „Engineering Solutions“ für Beratung, Konzeption und Planung, „Technical Solutions“ für Ausführung, Montage, Wartung und Instandhaltung, „Operational Solutions“ für technischen Betrieb und Facility Services sowie „Energy Solutions“ für Energie- und Ressourcen-Management und Contracting.

Wird Elevion als Marke damit weiter an Bedeutung gewinnen?

In Hintergrund als Holding ja, im operativen Geschäft in Deutschland ganz sicher nicht. Hier setzen wir auch weiterhin auf die regionalen Strukturen mit ihrer eigenen Identität und Direktkundenbeziehungen, die die Unternehmen unserer Gruppe vielfach über Jahrzehnte aufgebaut haben.
Deutschland ist durch seine Bundesländer regional sehr verschieden und wir können darüber froh sein, diese Regionalität vor Ort auch authentisch zu vertreten. Das schafft uns einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Wir bleiben weiterhin bei unserer Philosophie des unternehmerischen Freiraums. Gleichzeitig positionieren wir die Elevion Gruppe durch die Umsetzung unserer Vision als vollintegrierter Energiedienstleister zukunftsorientiert und nachhaltig am Markt.

»Wir wollen Führungskräfte aus den eigenen Reihen fördern.«

Haben Gruppengefühl und Vernetzung bereits Umsetzung im Tagesgeschäft gefunden?

Ja, es gibt bereits Unternehmen, die an das Thema Kooperation sehr offen und proaktiv herangehen. Im Ballungsraum Frankfurt haben die Rudolf Fritz GmbH und die ETS GmbH diesbezüglich die Pionierrolle übernommen und bereits zwei Projekte als TGA-Gesamtanbieter umgesetzt. Das ist, bei allen Hürden, die bei Großprojekten dieser Dimension zu überwinden sind, sehr gut gelungen. Darauf sind wir sehr stolz. Denn genau da wollen wir hin. Dieses sogenannte Cross-Selling wollen wir weiter ausbauen und Synergien nutzen. Zudem haben wir mit unserem Energiedienstleistungspartner und Schwestergesellschaft, Kofler Energies, gemeinsam einen ersten Auftrag erhalten: Wir werden die Energiezentrale für das Forschungszentrum ­Jülich von der Energieberatung bis zum Anlagenbau umsetzen. Mit diesem Projekt wird unsere Vision bereits Wirklichkeit.

Welche Position nimmt die Elevion Gruppe heute im Marktumfeld ein?

Also emotional-kulturell sind wir eindeutig Marktführer. Rein die Zahlen betrachtend, dürften wir in Deutschland aktuell unter den Top 3 liegen. Tendenz steigend.

Welches Resümee lässt sich im Rückblick auf das Jahr 2019 ziehen?

Wir hatten im Sommer den Geschäftsführerwechsel mit den dazugehörigen Veränderungen. Zudem haben wir bereits Anfang des Jahres mit En.plus und der HERMOS Firmengruppe zwei sehr erfolgreiche Akquisitionen getätigt. Ein Wermutstropfen in diesem Jahr ist, dass erstmals ein Unternehmen der Gruppe nicht so gut abgeschnitten hat, wie erwartet. Damit erreichen wir das prognostizierte Ergebnis zwar nicht ganz, können dies aber im Sinne der Solidargemeinschaft auffangen. Und das ist dann auch wieder eine gute Nachricht: zu wissen, dass das System der gegenseitigen Unterstützung in der Gruppe tatsächlich funktioniert.

Zu Ihren wichtigen Anliegen für das Jahr 2020 zählt die neu gegründete Elevion Akademie. Was lässt sich bereits über dieses Projekt sagen?

Das Wichtigste in unserer Gruppe sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Unternehmen. Um jedem Einzelnen eine individuelle und persönliche Qualifizierung und ­Weiterentwicklung zu ermöglichen, haben wir die Elevion Akademie gegründet und werden sie im kommenden Jahr intensiv weiterentwickeln und ausbauen. Neben der rein fachlichen Förderung soll die Akademie unter anderem den gegenseitigen Austausch verbessern und Zukunftsperspektiven schaffen. Die Weiterentwicklung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vom Azubi bis zu Führungskräften – ist dabei von zentraler Bedeutung. Ein jüngstes Beispiel, das mich sehr freut, ist der Wechsel von Florian Schwarz, einer wichtigen Führungskraft bei der ETS im Bereich MSR, in den Vorstand der HERMOS AG. Florian Schwarz ist von seinem Profil her für diese Position prädestiniert – da haben die Geschäftsführer beider Unternehmen eine gemeinsame Lösung gefunden. Besser könnte ich mir das Miteinander in der Gruppe nicht vorstellen.

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