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Gebäude-Infrastrukturen müssen den Anforderungen der Elektromobilität zunehmend gerecht werden

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Nach der lange beschlossenen Energiewende ließ der Wandel in der Automobilbranche lange auf sich warten. Erstmals auf der Internationalen ­Automobil-Ausstellung (IAA) 2019 präsentierte die Branche serientaugliche E-Autos der Mittelklasse. Laut Einschätzung von PwC gehen Analysten davon aus, dass die deutschen Hersteller bereits 2023 mehr als 500.000 Elektroautos in Europa bauen. „Die Zahlen des letzten Quartals geben deutliche Hinweise, dass sich der Markt für Elektroautos strukturell verändert. Die Produktion hält mit dem Wachstum der Nachfrage nach elektrisch angetriebenen Modellen allerdings nicht Schritt. Der Markt für Elektromobilität ist in Europa derzeit sichtbar unterversorgt. Es fehlt immer noch die notwendige Produktauswahl, angekündigte Modelle etablierter Hersteller lassen auf sich warten.“, kommentiert Felix Kuhnert, Global Automotive Leader bei PwC, die Situation.

Ladestationen benötigt

Als großer Hemmschuh für die gewünschte Nachfrage nach E-Cars gilt die bislang mangelnde Lade-Infrastruktur. Wer über die noch immer kostspielige Anschaffung eines Elektrofahrzeugs nachdenkt, möchte wenigstens sicher gehen, damit auch die gewünschten Ziele problemlos ansteuern zu können. Aktuell genügt die Batteriekapazität kleinerer Elektro­autos immerhin für Pendler, um den einige Kilometer entfernten Arbeitsplatz zu erreichen. Voraussetzung für eine solche Nutzung sind aber Ladestationen zu Hause oder am Arbeitsplatz, um die Batterie über Nacht oder während der Arbeitszeit vor Ort wieder aufzuladen.

Für das Jahr 2020 hat die Nationale Plattform Elektromobilität einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladepunkten und 7.100 Schnellladesäulen ermittelt, die unter anderem entlang von Autobahnen lange Fahrten sichern. Doch erreicht ist erst etwa ein Viertel dieser avisierten Ladestationen. Auch in den Städten werden künftig weitere Lademöglichkeiten nötig sein. Nicht nur für die voraussichtlich sinkende Zahl an Privatfahrzeugen, sondern auch für die prognostizierte Menge an Wagen aus dem Car-Sharing.

Intelligente Steuerung

Für die neuen Anforderungen in der Gebäudetechnik rüsten sich derzeit auch die Bauunternehmen. Schließlich müssen bestehende Gebäude zeitnah modernisiert und Neubauten unmittelbar mit Ladestationen ausgerüstet werden. Eine Schwierigkeit besteht aktuell noch in der Vielzahl der Technik-Anbieter und Systeme. Vor diese Herausforderungen sieht man sich aktuell auch in Rüsselsheim gestellt. Die Stadt möchte gemeinsam mit Opel ein Modellprojekt verwirklichen, bei dem insgesamt 1.400 Ladepunkte auf dem Gelände des Automobilherstellers und im Stadtgebiet erreichtet werden können. Die nötige elektrische Energie soll das Gas- und Dampf-Kombikraftwerk auf dem Betriebsgelände liefern. „Die Ladestationen zu errichten und die entsprechenden Kabel zu verlegen wird dabei die kleinste Aufgabe werden“, erklärt Werner Nickel, operativer Geschäftsführer bei der Rudolf Fritz GmbH in Rüsselsheim, die sich am Projekt beteiligen möchte. „Die eigentliche Herausforderung wird darin bestehen, die Ladeprozesse intelligent zu koordinieren, sodass keine plötzliche Überlast entsteht und dennoch alle Fahrzeuge zum benötigten Zeitpunkt geladen zur Verfügung stehen.“ Ähnlich schätzt Jürgen Baumann, Product Manager von ­Siemens Building Technologies, die aktuelle Situation ein: „Um eine Integration von Stromnetz, Gebäude, Ladestation und Elektro-Autos zu erreichen, braucht es Kommunikationsstandards – eine gemeinsame Sprache für diese noch getrennten Sphären“, so Jürgen Baumann. „Heute werden die theoretischen Grundlagen gelegt und Standards für das Zusammenspiel der Sphären definiert. In drei bis fünf Jahren werden die entsprechenden Geräte soweit sein. Und in zehn Jahren wird die Integration schlussendlich Realität.“
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