Ausbildung in vielen Dimensionen

Ausbildung in vielen Dimensionen

Beim Elektro- und Gebäudetechnikunternehmen Rudolf Fritz mit Stammsitz in Rüsselsheim wird seit jeher großer Wert auf qualifizierten Nachwuchs gelegt. Mit einer Ankerwickelei und einer Luftfahrttechnikabteilung hat der Betrieb für seine technischen Auszubildenden besonders spannende Bereiche zu bieten.

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Dass er einmal tonnenschwere Motoren wieder zum Laufen bringen würde, hätte sich René Opfer kaum vorstellen können, als er im August 2019 seine Ausbildung zum Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik begann. Gemeinsam mit sechs Kollegen seiner Fachrichtung zählt er heute zu den der insgesamt 103 Azubis, die im Rüsselsheimer Stammhaus und den neun Niederlassungen der Rudolf Fritz GmbH ihr Handwerk erlernen. Weitere 88 junge Menschen erlernen den Beruf des Elektronikers für Energie- und Gebäudetechnik, acht absolvieren eine Ausbildung zur Kauffrau beziehungsweise zum Kaufmann für Büromanagement. Zahlen, die sich sehen lassen können. Mit einer Aus­bildungs­quote von 15 Prozent liegt das Unternehmen, das bereits auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken kann, weit über dem Durchschnitt mittelständischer Unternehmen der Branche. Doch man hat sich weitere hohe Ziele gesteckt: Mit dem Aus- und Weiterbildungsprojekt „Fritz 2025“ soll die Quote auf 20 Prozent angehoben werden. Ein weiterer Baustein des Zukunftsprojektes wurde bereits umgesetzt. Am Stammsitz in Rüsselsheim wurde eine Lehrwerkstatt eingerichtet, die den technischen Auszubildenden die Möglichkeit bietet, ihre Grundfertigkeiten im Umsetzen von Schaltplänen zu festigen, Übungen durchzuführen und sich für ­Prüfungen vorzubereiten. „Unser Nachwuchs ist unsere Zukunft. Sinnvoller könnten Investitionen eines Unternehmens heute kaum sein“, betont Christian Fruhen, der Anfang Dezember die Position des Ausbildungsleiters übernommen hat. Gemeinsam mit seiner Kollegin, Leiterin der Aus- und Weiterbildung, Carolin Piecha, stellt er nun die Weichen für die weitere, standortübergreifende Entwicklung der Aus- und Weiterbildung. Die Azubi-Generation 2019 konnte bereits im vergangenen September Erfahrungen in der Lehrwerkstatt machen und mit gestärktem Vertrauen auf die erste Baustelle entsandt werden. „Als ich hier mit der Ausbildung begonnen habe, ging es sofort mit den Monteuren nach draußen“, erinnert sich Christian Fruhen, der seinerzeit bereits eine Lehre zum Bankkaufmann abgeschlossen und elektrotechnische Erfahrung im elterlichen Betrieb gewonnen hatte. „Wenn unsere Azubis eine gewisse Grundsicherheit mitbringen, haben es auch die Monteure vor Ort leichter, sie von Anfang an sinnvoll zu integrieren ohne zu überfordern oder Risiken einzugehen“, erläutert der Ausbildungsleiter und Prüfungsvorsitzende, der seine Position als Projektleiter zugunsten der Wissensvermittlung aufgab.

Jan Splettstößer (l.) und sein Azubi-Kollege Meik Schuster legen im Schaltanlagenbau Hand an.
Ausbildungsleiter Christian Fruhen freut sich über die neue Lehrwerkstatt, die für Übungszwecke zur Verfügung steht.
»Vorerst hatte ich genug Unterricht. Ich will jetzt erst mal arbeiten.«
Jan Splettstößer, Auszubildender EDT

Doppelt und dreifach gesichert

Doch zuvor musste ein Sicherheitskonzept für die neue Anlage erdacht werden. „Die Maschine sollte hydraulisch nahezu baugleich ausgeführt, aber in puncto Sicherheit überarbeitet werden. Die Software-Regelung galt es mit mehrfachen Notmechanismen auszustatten, um jedes Risiko sicher auszuschließen“, so Stefan Bähr. Zahlreiche Abstimmungsrunden unter den Ingenieuren von En.plus und dem Auftraggeber folgten, bis die Lösung gefunden und die Fertigung der Anlage beauftragt werden konnte. Dass man hierfür ein Unternehmen in Indien auswählte, war insbesondere der Tatsache geschuldet, dass bei diesem Anlagenbauer auf dem Subkontinent eine hohe Spezialisierung für stromsparende Absorptionskältemaschinen vorhanden ist.
Andreas Lindemann begutachtet den Kabelbaum eines Hilfstriebwerks, das im Airbus A319, A320 und A321 verbaut wird.

Wo höchste Präzision gefragt ist

Für einen ganz anderen Bereich des Unternehmens hat sich Andreas Lindemann während seiner 2009 ­abgeschlossenen Ausbildung zum Elektroniker für Maschinen- und Antriebstechnik begeistert: die Luftfahrttechnik. Dieses Spezial­gebiet entstand Ende der 1970er-Jahre aus der Erfahrung, die man im Unternehmen mit der Reparatur von Motoren für die Automobilindustrie gewonnen hatte. Mit der Entwicklung des Airbus A320 qualifizierte sich Rudolf Fritz schließlich als zertifizierter Dienstleister der Branche und ist seit 2004 in Besitz einer Doppellizenz, die sowohl Arbeiten nach den Maßgaben des Luftfahrt-Bundesamts (LBA) als auch der US-Behörde (FAA) erlaubt. „In der Luftfahrttechnik muss man sehr gewissenhaft arbeiten“, erklärt Andreas Lindemann. „Kleine Fehler können Menschenleben kosten. Dessen muss man sich stets bewusst sein.“ Seine Eignung für diesen Bereich, der gesetzlich ein Alter von 21 Jahren und drei Jahre praktische Erfahrung erfordert, bewies Andreas Lindemann bereits während seiner Ausbildung. Heute ist er ein wichtiges Mitglied des zehnköpfigen Fachteams, in dem gegenseitiges Vertrauen oberste Priorität hat. „Alle Bauteile müssen nach unserer Arbeit zertifiziert werden. Da man nicht die eigene Arbeit, sondern nur die der Kollegen zertifizieren darf, muss ich mich auf deren Genauigkeit verlassen können“, so ­Andreas Lindemann.

„Welcome Days“: Gemeinsamer Start ins Berufsleben

Damit sich die Auszubildenden eines Jahrgangs unter­einander kennenlernen, beginnt das Lehrjahr bei Rudolf Fritz seit 2016 mit den „Welcome Days“ und einer gemeinsamen Grundschulung im BZL Lauterbach, in dem später auch weitere Kurse zu bestimmten Themen abgehalten werden. Nach dieser ersten Lehrwoche kennen die Anfänger bereits einige Grundlagen der Metallausbildung, wesentliche Regeln der Arbeitssicherheit, einige Montagetechniken und respektvolle Umgangsformen.
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